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Friedensethik: „Kriegsopfer – religiöses Opfer“

Ethica: Kriegsopfer – religiöses Opfer Ethica: Kriegsopfer – religiöses Opfer

Als bislang letzter Band der Publikationsreihe „Ethica Themen“ des Instituts für Religion und Frieden der Katholischen Militärseelsorge ist 2018 „Kriegsopfer – religiöses Opfer. Spuren archaischer Religiosität?“ erschienen. Petrus Bsteh vom Forum für Weltreligionen entwickelt darin eine Phänomenologie des Opfers aus religionswissenschaftlicher Sicht. Opfer im christlichen Sinn ist in Absetzung zu einem kultischen, rituellen Verständnis immer Hingabe aus Liebe: Jesus teilt sein Leben mit den Menschen, die ihn suchen bzw. mit ihm gehen, letztlich gibt er es auch physisch hin in seinem Tod am Kreuz.

Christoph Ebner vom Heeresgeschichtlichen Museum in Wien geht auf den (religiösen) Opferkult im antiken Rom ein und zeigt seine Bedeutung v.a. für die politische und militärische Sphäre auf. Ein interessantes Phänomen waren dabei die sog. Selbstdevotionen. In militärisch prekären Situationen weiht der römische Feldherr sein Leben (oder ersatzweise das eines beliebigen Soldaten) den Göttern. Kommt er im darauf folgenden Kampf um, gilt das Opfer als angenommen. Überlebte der Feldherr, durfte er keine sakralen Handlungen mehr vornehmen; überlebte der Soldat, musste eine Sühnehandlung vollzogen werden. Während die römische Mythologie durchaus Menschenopfer kennt, bekämpften die Römer ab dem Beginn des 1. Jahrhunderts v. Chr. sehr entschieden entsprechende Praktiken, die bei zahlreichen eroberten Völkern (z. B. Kelten) üblich waren.

„Zevach schelamim“ – dieser Begriff aus dem Buch Levitikus bezeichnet ein Dankopfer und wird in der jüdischen Tradition mit „Friedensopfer“ übersetzt‘. Der Beitrag des Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer trägt ebenfalls diesen Titel: „‚Friedensopfer‘. Für Recht und Würde unschuldiger Menschen“. Als katholischer Theologe denke er dabei aber mehr an die Stelle im Epheserbrief, in der davon gesprochen wird, dass Jesus durch sein Sterben die trennende Wand der Feinschaft niedergerissen und Frieden gestiftet hat. Von außen betrachtet sei Jesu Tod ein Akt der Viktimisierung, von innen betrachtet Liebe, Übergabe des Lebens an den Vater und zugleich ein Akt der radikalen Feindesliebe. Von daher erweist sich Gott selbst als der, der den Opfern zu ihrem Recht verhilft, nicht durch Rache, sondern indem Versöhnung zwischen Opfern und Tätern ermöglicht wird. In diesem Sinn setzen christliche Gruppen „Sühnezeichen“ der Versöhnung und Vergebung: Als Beispiel nennt Scheuer die Lebenshingabe Maximilian Kolbes und seine Auswirkungen auf Ansätze einer Versöhnung von Polen und Deutschen nach dem Krieg: die Aktion „Solidaritätsspende“, den Briefwechsel zwischen den polnischen und deutschen Bischöfen mitten im Kalten Krieg und die Gründung des Maximilian-Kolbe-Werks zur Unterstützung noch lebender Opfer des Nationalsozialismus. Die Enzyklika Populorum progressio Pauls VI. verdeutlicht den Zusammenhang von Frieden, Entwicklung und Gerechtigkeit: Es diene dem Frieden, sich für eine gerechte Wirtschaftsordnung einzusetzen, eine Option für die Armen zu treffen. In diesem Sinn ist etwa auch das Wirken der Ärzte ohne Grenzen oder Mutter Teresas Friedensdienst, Friedensopfer.

Christian Wagnsonner (Hg.), Kriegsopfer – religiöses Opfer. Spuren archaischer Religiosität?, Wien 2018, 82 Seiten, Sprache: deutsch

Buchnummer MBBA: 11.272

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MBBA