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„Verstehst du, was du liest?“ Militärethik und übersetzerische Herausforderungen in Europa. Unter diesem Motto stand heuer die Enquete des Institutes für Religion und Frieden, die am 16 10 2019 in Wiener Neustadt stattfand.
 

„Die beste Information ist wertlos, wenn sie nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar ist“ (Major Daniel Wurm). Nur die Information verfügbar zu haben und weiterzugeben, reiche jedoch nicht. Es müsse auch die Übersetzung aus einer Sprache in eine andere Verständniswelt erfolgen, so der Leiter des Instituts für Religion und Frieden, Militärsuperior Stefan Gugerel, in seiner Einführung zur heurigen Enquete, welche am 16. Oktober in Wiener Neustadt stattfand.

In Anlehnung an das achte Kapitel der Apostelgeschichte beschäftigten sich Vortragende und Gäste aus dem In- und Ausland mit dem Thema „Verstehst du, was du liest?“. Major Wurm erklärte in seinem Vortrag, wie Daten als Rohstoff für Entscheidungsfindungsprozesse nutzbar gemacht werden können und welche Rolle Maschinen in diesem Prozess übernehmen können und könnten. Die nötige Übersetzungsleistung sei dabei immer mit einer Interpretation der Daten, also einer Bedeutungsänderung verbunden.

Anschließend erläuterte Major Stefan Stocklauser die Aufgaben der Dolmetscher in diesem Übersetzungsprozess, wobei Sprache nur einen Teilaspekt der Kommunikation darstelle und auch diplomatisches Geschick für die Auftragserfüllung entscheidend sei. Er betonte, dass Einsätze nicht nur im Ausland stattfänden, sondern auch im Inland oft multilinguale Fähigkeiten benötigt würden.

Obst Andreas Kastberger beleuchtete das Thema von einer anderen Seite und stellte die auftretenden Übersetzungsprobleme bei der zivilen Anerkennung militärischer Bildungsabschlüsse dar. Unterschiedliche Begriffe wie zum Beispiel die militärische „Führung“ müssten mit zivilen Begriffen, wie „Management“ und dergleichen verglichen bzw. davon abgegrenzt werden.

In ihrem Vortrag „Politische Korrektheit und Wahrheit“ beschäftigte sich Oberrätin Andrea Telsnig-Ebner mit Sprache als Kommunikationsmittel für Angriff und Verteidigung. Universale Techniken in diesem Zusammenhang seien Ignorieren, Moderieren, Diskutieren oder Ironisieren.

In dem abschließenden Vortrag des Tages machte Bernhard Koch deutlich, dass in der Vielfalt der Sprachen und den damit notwendigen Übersetzungen kein „Defizit“ liegt, sondern dass dies eine Bereicherung darstellt. „Denn mit der Vielfalt der Sprachen“, so Bernhard Koch, „korrespondiert eine Vielfalt an lokalen Traditionen, die wir achten und ernst nehmen müssen, wenn wir unserem Menschsein in seinem historischen Gewordensein gerecht werden wollen. Und achten und erstnehmen“, so der Vortragende weiter, „heißt nicht, unveränderlich verwalten, sondern in Treue und Kreativität aufnehmen, wie gute Übersetzer mit der Sprache es tun.“

Ein Bericht von Nadja Wessely.

Ein Bericht von Stefan Gugerel   
 
"50 Jahre Seelsorge im Österreichischen Bundesheer“
Rückblick - Standort – Perspektiven
Enquete des Instituts für Religion und Frieden beim Militärbischofsamt
 
19. Oktober 2005, Jakob Kern-Haus: Im Rahmen der am 19. Oktober im Jakob Kern-Haus stattfindenden Enquete des Instituts für Religion und Frieden arbeiteten Militärgeneralvikar Dr. Fahrner und Militärsuperintendent Mag. Sakrausky in ihren Vorträgen die spirituelle Dimension als Zentrum der Militärseelsorge aus katholischer und evangelischer Sicht heraus. Vor 120 Teilnehmern – katholische und evangelische Militärseelsorger, hohe Offiziere des Bundesheeres sowie Vertreter der Militärseelsorgen Ost- und Südosteuropas – unterstrichen beide Referenten die Bedeutung der Ökumene in der Arbeit der Militärseelsorge. Als Kernthemen der Militärseelsorge heute betonte Militärgeneralvikar Dr. Fahrner den Einsatz für die umfassende Bejahung der Würde der Person, die Sorge um die Familien und die ethisch-moralischen Grundlagen des soldatischen Dienstes.
 
Die Entwicklung und die Ziele der Militärseelsorge in der Zweiten Republik zeichnete Oberst i.R. Haubl nach. Die Militärseelsorge war immer bemüht, in den sich wandelnden gesellschaftlichen und militärischen Bedingungen in den Jahren ihres Bestehens ihre Aufgabe im Rahmen des Sendungsauftrages der Kirche zu erfüllen. Vor allem bei den Einsätzen im In- und Ausland müssen die Probleme der einzelnen Soldaten gesehen werden, um Hilfe anbieten zu können. Die Militärseelsorge versteht sich so als &dbquo;nachgehende Seelsorge“, die nicht nur Verkündigung, liturgischen Dienst, Spendung der Sakramente sowie Diakonie zu ihren Aufgaben zählt, sondern in besonders kritischen Situationen im Leben eines Soldaten oder seiner Familie auch pastoral-psychologische Hilfe leisten will. Weiters sieht sich  die Katholische Militärseelsorge als Ansprechpartner in allen religiösen, seelsorglichen, ethischen und persönlichen Fragen, auch für Personen, die nicht ihrem Zuständigkeitsbereich angehören.
 
General i.R. Majcen hob in seinem Vortrag hervor, dass die "Arbeitsgemeinschaft Katholischer Soldaten" bereits auf eine lange Tradition kirchlicher Laienarbeit im Sinne der katholischen Aktion in der Militärseelsorge verweisen kann. Die Mitarbeit engagierter Laien wird auch für die Militärseelsorge der Zukunft wesentlich und unverzichtbar sein.
 
In der Podiumsdiskussion zur "Zukunft der Militärseelsorge" standen vor allem Fragen der Evangelisierung und die Wiederentdeckung der missionarischen Dimension der Kirche im Vordergrund. Von allen Teilnehmern wurde betont, dass zeitgemäße Wege gefunden werden müssen, um vor allem jungen Menschen – die heute oft den Kirchen fern stehen - im Rahmen der Militärseelsorge eine neue Begegnung mit dem Glauben zu ermöglichen.

Wien, 18.-19. Oktober 2006, Landesverteidigungsakademie, Presseerklärung

19.10.06 - Im Rahmen der Enquete des Instituts für Religion und Frieden trafen sich auf Einladung des Militärbischofs S.E. Mag. Christian Werner diese Woche in Wien Militärbischöfe, katholische und evangelische Militärseelsorger aus ganz Europa sowie hohe Offiziere des österreichischen Bundesheeres, um Herausforderungen für die Militärseelsorge in Europa zu besprechen. Konkreter Anlass war die Feier von 50 Jahren Militärseelsorge im Österreichischen Bundesheer und das 20. Jubiläumsjahr der Apostolischen Konstitution "Spirituali Militum Curae“ von Papst Johannes Paul II.

Die 100 Teilnehmer beschäftigten sich mit vier Themen: der geistig-religiösen Situation in den Streitkräften, den Herausforderungen für die Militärseelsorge, dem pastoralen Weg sowie der Zusammenarbeit der Militärordinariate auf europäischer Ebene.

S.E. Dr. Walter Mixa, der deutsche Militärbischof, hob in seinem Vortrag hervor, dass die Säkularisierung der Gesellschaft eine besondere Herausforderung für die Kirche in Europa darstelle. Die Trennung von Politik und Religion wachse, die Bedeutung der Religion gehe zurück. Laut Pablo Ramón Panadero Sánchez, dem Militärbischofsvikar aus Spanien, erklärt sich die Spanische Bevölkerung nach einer jüngsten Meinungsumfrage paradoxerweise zu 80% katholisch, aber gleichzeitig glauben lediglich 42% an Gott. Dies deute darauf hin, dass die Religion oft auf den sozialen Wert reduziert werde. Der Entkirchlichungsprozess der meisten europäischen Gesellschaften habe sich in den vergangenen 30 Jahren weiter fortgesetzt. Messbar sei dies sowohl an der Zahl der Konfessionslosen, als auch an der schnell sinkenden Bereitschaft, Kinder taufen zu lassen, bzw. kirchlich zu heiraten und an der Entwicklung der Kirchgangshäufigkeit. Seit den 50er Jahren sei die Teilnahme am Gottesdienst in beiden großen Kirchen (katholisch und evangelisch) rückläufig. In den Streitkräften spiegle sich diese Lage wie in einem Mikrokosmos, die Zahl konfessionsloser Soldaten sei sogar höher als im gesellschaftlichen Durchschnitt.

Als Kernthemen der Herausforderungen der Militärseelsorge wurden die Sorge um die Familien und die ethische Ausbildung der Soldaten unterstrichen. Die von den Soldaten verlangte hohe berufliche Mobilität sei immer schon ein Belastungsfaktor für die Familien und Ehen der Soldaten gewesen. Auslandseinsätze an weit entfernten Einsatzorten und unter riskanten Lebensbedingungen stellen Belastungen nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für ihre Angehörigen dar. Die Sorge für die Familien der Soldaten sei deshalb ein weiterer besonderer pastoraler Schwerpunkt der Militärseelsorge. Fast alle Militärordinariate schlugen eine bessere Begleitung der Familien vor. S.E. Patrick Le Gal, der französische Militärbischof, wies auf ein immer stärkeres Ungleichgewicht zwischen Familienleben und militärischem beruflichem Einsatz hin. Dies sei auf mehrere Faktoren zurückzuführen, insbesondere auf den Verlust der militärischen Kultur unter Ehegatten der Soldaten und auf das « geographische Zölibat », d.h. die Tatsache, dass der verheiratete Soldat allein an seinem beruflichen Arbeitsort über die Woche lebt, während seine Familie anderswo – immer öfter am Arbeitsort des anderen Ehegatten - bleibt.

Viele Militärordinariate haben einen besonderen Bedarf nach religiöser Begleitung in Auslandseinsätzen festgestellt. Soldaten im Auslandseinsatz werden in erheblichem Umfang mit existentiellen Fragen etwa nach dem Sinn des Lebens, dem Tod, aber auch nach der Sinnhaftigkeit ihres Auftrages konfrontiert, sodass in Auslandseinsätzen die Offenheit für religiöse Themen zunimmt. Daher erweist sich die verbesserte ethische und geistige Ausbildung der Soldaten als ein wichtiger pastoraler Weg. Diese soll einen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung leisten. Wie Generalvikar Josip Santic (Kroatien) betonte, sei das Ziel der Militärseelsorge in Kroatien die persönliche Sorge um jedes einzelne Mitglied des kroatischen Heeres und der Polizei. Eine bessere ethische Ausbildung der Soldaten solle auch das moralische Urteilsvermögen sowie das verantwortungsbewusste Handeln der Soldaten stärken. Wie S.E. Januarió Torgal Mendes Ferreira, der Militärbischof von Portugal betonte, sei der eigentliche pastorale Weg derjenige, der auf die menschliche und christliche Bildung aller Soldaten zielt, die vom Gesichtspunkt der Religionsfreiheit aus die Seelsorger annehmen: So auch Oberst Juozas Grazulis, Generalvikar von Litauen, und Tomo Knezevic, Direktor der Militärseelsorge von Bosnien-Herzegowina (letzerer sprach im Namen des Erzbischofs von Sarajevo und Präsidenten der Bischofskonferenz Bosnien und Herzegowinas, Vinko Kardinal Puljic): Es handle sich darum, die religiösen Bedürfnisse der Katholiken wie auch aller Menschen guten Willens zu befriedigen, die um Hilfe bitten, ohne vorher nach der Religionszugehörigkeit zu fragen.

Als weitere Herausforderungen wurden der immer größere Individualismus zwischen den Soldaten und der immer geringere Familiencharakter der Kasernen erwähnt. Als pastoraler Weg wurde von S.E. Dr. Tamás Szabo, Militärbischof von Ungarn, vorgeschlagen, die christliche Botschaft auf die traditionellen militärischen Tugenden – wie Freundschaft, Mut, Kameradschaft, Ausdauer, Aufrichtigkeit, Respekt den Vorgesetzten und einander gegenüber, Selbstlosigkeit und Selbstdisziplin – zu beziehen.

Unter den aktuellen strengen Bedingungen der Auslandseinsätze wünschten die europäischen Militärordinariate eine verstärkte internationale Zusammenarbeit auf europäischer Ebene. Die Zusammenarbeit auf pastoraler Ebene solle zwischen den europäischen Militärordinariaten vereinfacht werden, insbesondere was die Betreuung von Soldaten verschiedener Kontingente im Auslandseinsatz durch einen gemeinsamen Seelsorger betrifft. Weiters sprachen sich alle Verantwortlichen für eine Vertiefung des Dialogs mit den anderen Religionen aus. In diesem Zusammenhang wurde auch besonders auf die Bedeutung der ökumenischen Zusammenarbeit hingewiesen.

 
„Ethik im Weltraum“ – zu diesem Thema luden katholische Militärseelsorge und Institut für Religion und Frieden vom 14.-16. April 2009 zu einem Seminar in die Hiller-Kaserne in Linz-Ebelsberg unter der Leitung von Militärkurat MMag. Stefan Gugerel von der Heeresunteroffiziersakademie. Der Schwerpunkt des Seminars lag im Austausch fundierter Sachinformationen aus den Bereichen Militärgeschichte, Sicherheitspolitik, Technik und internationalem Recht als Grundlage für das ethische Nachdenken.
 
 
 
 
Ein Bericht von Mag. Christian Wagnsonner
   
OR Dr. Mario Christian Ortner, der Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums, gab einen Einblick in die Anfänge der Raketenentwicklung bis zum Zweiten Weltkrieg. Wenigen ist bekannt, dass die österreichische Armee im 19. Jh. bis in die 60er Jahre eine führende Rolle in der technischen Weiterentwicklung der von den Engländern übernommenen Raketentechnik innehatte und diese Waffe auch im Kampf einsetzte. Allerdings publizierten die Österreicher ihre Forschungsergebnisse recht großzügig und ersparten konkurrierenden Mächten damit eine Menge Entwicklungsarbeit. Besonders deutlich stellen sich moralische Fragen nach der Verantwortung von Politik, Militär und/oder Wissenschaft angesichts der Arbeit einer Gruppe von Wissenschaftlern um Wernher von Braun: Vor und während des 2. Weltkriegs arbeiteten sie an einer Raketenangriffswaffe für das NS-Regime, nach dem Krieg stellten viele von ihnen ihre Dienste den USA oder der Sowjetunion für deren Raketenprojekte zur Verfügung.
 
MinR Dr. Friedrich Korkisch, Leiter des Instituts für Außen- und Sicherheitspolitik in Wien und ausgewiesener Experte in Fragen des Luftkriegs, zeigte auf, wie sich die Bedrohung durch Raketen nach dem Zweiten Weltkrieg darstellte und wie man darauf politisch und militärisch zu reagieren versuchte – von ersten Anfängen einer Raketenabwehr bis hin zum SDI-Programm in der Ära Ronald Reagans.
OR Dr. Peter Sequard-Base vom Amt für Rüstungs- und Wehrtechnik gab einen Überblick über aktuelle Fragen der Weltraumwaffentechnik: Welche Staaten verfügen über eine Raketenabwehr, welche Systeme stehen zur Verfügung (Raketen, Laser, Nuklearwaffen), in welcher Flugphase ist die Abwehr am günstigsten, wie hoch sind Effizienz und Kosten (eine besonders wichtige Frage), was sind die technischen Hintergründe der heiß diskutierten Stationierung von Raketenabwehrwaffen in Europa, und warum ist Polen ein besonders günstiger Standort?
 
Dr. Gunther Hauser vom Institut für Strategie und Sicherheitspolitik der Landesverteidigungsakademie in Wien stellte die Akteure und die relevanten rechtlichen Dokumente für die Verwendung bzw. Abwehr von Raketen vor: Weltraumverträge, Rüstungskontroll- und Abrüstungsverträge, insbesondere zur nuklearen Abrüstung. Davon ausgehend beleuchtete er die politischen Hintergründe der aktuellen Diskussion um den geplanten Raketenschild und die teils ziemlich kritischen Positionen einzelner europäischer (NATO-)Staaten.
 
Die EU hat sich aus diesem Streit weitgehend herausgehalten. Dr. Gerhard Marchl vom Institut für Religion und Frieden konstatiert allerdings ein wachsendes Interesse der EU an der Nutzung des Weltraums auch in militärischer Sicht. Das betrifft gegenwärtig aber in erster Linie die satellitengestützte Kommunikation, Erdbeobachtung und Positionsbestimmung und dabei v. a. die Verwendung zivil kontrollierter Ressourcen. Von einem genuin militärischen Weltraumprogramm der EU kann noch kaum gesprochen werden.
 
„Gibt es eine Weltraumethik?“: Diese Frage stellte sich sein Kollege am IRF Mag. Christian Wagnsonner, und er beantwortete die Frage mit Ja: NASA, ESA und UNESCO haben Projekte bzw. Arbeitsgruppen zu einer Weltraumethik ins Leben gerufen. Grundkonsens dieser Ansätze ist, dass der Weltraum friedlich und im Interesse der gesamten Menschheit genutzt werden und dass die Nutzung rechtlich geordnet sein soll. Menschenwürde und Menschenrechte verlieren auch im All ihre Geltung nicht. Besonderes Augenmerk gilt dem Schutz der Privatsphäre (Satelliten!), dem Kampf gegen Weltraummüll, dem Schutz der Astronauten und besonderen Verhaltensregeln bei bemannten Missionen.
 
Militärkurat Mag. Stefan Gugerel wies darauf hin, dass unser Bild von Weltraumtechnik und Raketenbedrohung oft wenig mit den tatsächlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern mehr mit deren Verarbeitung in Science-Fiction-Filmen zu tun hat. Viele dieser Filme sind deshalb besonders interessant, weil sie die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse der Entstehungszeit spiegeln und zugleich durch das Mittel von Fiktion und Utopie Möglichkeiten der Veränderung aufzeigen. Bereits der zweite Film der Filmgeschichte behandelt eine Reise zum Mond, er thematisiert die Problematik des Kolonialismus. Im Rahmen einer Exkursion besuchten die Seminarteilnehmer das Ars Electronica Center und die Sternwarte der Linzer Astronomischen Gemeinschaft am Freinberg, wo sie in Geschichte und Praxis der Sternbeobachtung eingeführt wurden. Bei strahlendem Sonnenschein war die Venus als schmale Sichel zu sehen.
 
Zur feierlichen Vesper mit Bischofsvikar Dr. Werner Freistetter fanden sich Mittwoch Abend neben den Seminarteilnehmern auch weitere militärische Repräsentanten aus Oberösterreich ein, darunter Bgdr Mag. Robert Prader (Kdt 4.PzGrenBrig), Obst Franz Moser (Lt AbtD HPA) und Obstlt Willibald Eckerstorfer in Vertretung des Kommandanten der Heeresunteroffiziersakademie.
 
Die Kontaktstelle für Weltreligionen der Österreichischen Bischofskonferenz und das Institut für Religion und Frieden veranstalteten am 21. April 2009 in der Diplomatischen Akademie in Wien ein Symposium zum Thema „Die religiöse Vielfalt im Nahen und Mittleren Osten. Dialogkultur und Konfliktpotential an den Ursprüngen“.
 
Ein Bericht von Mag. Christian Wagnsonner
   
Univ. Prof. Dr. Dietmar Winkler, der Leiter des Fachbereichs Bibelwissenschaft und Kirchengeschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg, gab einen Einblick in die komplexe Situation der christlichen Kirchen im Nahen Osten, zu denen eine Vielzahl orthodoxer, orientalisch-orthodoxer und unierter Kirchen sowie die Kirche des Ostens (Assyrer) gehören. Als sich der Islam im 7. Jahrhundert in der Region ausbreitete, verschwanden die christlichen Kirchen nicht, sie behielten ihre Liturgie, ihre Sprache und Kultur.
 
Auch nach der später erfolgten Arabisierung blieben beträchtliche Teile der Bevölkerung christlich, erst der Erste Weltkrieg mit den darauf folgenden Konflikten markierte einen gravierenden Einschnitt: Immer mehr Christen verließen die Region, eine Tendenz, die sich in den letzten Jahren alarmierend verstärkt hat: Im vergangenen Jahrzehnt sind etwa 4-5 Millionen Christen ausgewandert, aufgrund anhaltender Repression und Diskriminierung, aber etwa auch aufgrund der besseren wirtschaftlichen Perspektiven eines Lebens im Westen.
 
Univ. Prof. Dr. Stephan Procházka vom Institut für Orientalistik der Universität Wien erläuterte, wie es zu den ersten Spaltungen der islamischen Gemeinde kam, aus denen später Sunniten, Schiiten und Charidschiten hervorgingen. Es ging dabei nicht um religiöse Streitfragen, sondern um politische Herrschaftsansprüche, eine innerislamische und innerarabische Angelegenheit. Die Anhänger des vierten Kalifen Ali, eines Schwiegersohns des Propheten Mohammeds, mussten zunächst klein beigeben, sein Sohn Hussein kam mit seinen Kampfgefährten bei der berühmt gewordenen Schlacht bei Kerbala ums Leben. Ab dieser Zeit ging es nicht mehr nur um Politik, die Schia wird zu einer religiös-politischen Strömung, der heute etwa ein Zehntel aller Muslime angehören. Ein gemeinsames religiöses Auftreten ist sehr problematisch – wegen der konfliktbelasteten Vergangenheit und einiger Unterschiede, die vor allem die religiöse Praxis, die Verehrung der ersten Führer (Imame) und die hohe Bedeutung eines eigenen geistlichen Standes bei den Schiiten betreffen.
 
Em. Univ. Prof. Dr. Werner Ende vom Orientalischen Seminar der Universität Freiburg sieht eine erstaunliche Aktualität dieses frühislamischen Konflikts zwischen Schiiten und Sunniten in heutigen Konflikten.
Diese Konflikte, in denen es eigentlich um ganz andere politische oder wirtschaftliche Fragen geht, werden oft mit Rückgriff auf Slogans aus der frühislamischen Konfliktgeschichte ausgetragen: Da spielt dann etwa der Verdacht eine Rolle, dass die Schiiten bei ihren Riten die Prophetengefährten (besonders die ersten drei rechtgeleiteten Kalifen) beleidigen.
 
Dass Schiiten von ihrer Tradition manchmal zu Verschweigen und Verstellung angehalten werden, fördert das Misstrauen zusätzlich; und in der Frömmigkeit der Schiiten spielen die Niederlage bei Kerbala (gegen die späteren Sunniten) mit den Gefühlen von Trauer und Hass nach wie vor eine große Rolle. Extremistische Agitation und Anschläge (etwa auf das Grab Alis) lassen das Misstrauen noch wachsen. Ende sieht aber dennoch auch Grund zur Hoffnung: Eine Mehrheit der Muslime ist der Ansicht, dass die eigentlichen Probleme nur durch gemeinsames Vorgehen gelöst werden können, und als äußeres Zeichen kamen im 20. Jh. wieder Mischehen zwischen Schiiten und Sunniten auf.
 
Em. Univ. Prof. Dr. Udo Steinbach, der langjährige Leiter des Deutschen Orient-Instituts in Hamburg, sprach über „Die heutige religio-politische Komplexität und ihre (inter)nationalen Austragungsräume“. In den letzten Jahrzehnten ist Religion wieder politisch wirksam und Gewalt im Namen der Religion, aus Religion heraus, wieder ein häufiges Phänomen geworden.
 
Es hat sich gezeigt, dass westliche Paradigmen zur Modernisierung in der islamischen Welt (z. B. Sozialismus) nicht gegriffen und die Probleme des Nahen Ostens nicht gelöst haben.
 
Der Versuch, den Islam für die Lösung der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Probleme zu instrumentalisieren, ist ein neues und auch beängstigend modernes Phänomen, das eine genaue Analyse der Rahmenbedingungen notwendig macht. Zunächst konzentriert sich dieser Versuch, der mit Begriffen wie Fundamentalismus oder Islamismus nur unzureichend bezeichnet wird, auf Veränderung innerhalb der islamischen Welt. Zentrales Ereignis sei die islamische Revolution im Iran gewesen. Ein Theologe mobilisierte die Massen und gründete den Staat auf ein von ihm geschaffenes Prinzip. Supranational angelegt, sollte diese Revolution die ganze islamische Welt umfassen, dann vielleicht auch die ganze Welt. Aber die Revolution kam nicht voran. Was dann kam, war lediglich der Terror, zunächst und mit besonderer Brutalität in Algerien. Später richtete sich der Terror auch gegen den Westen, v.a. gegen die USA, die mit einem global war on terrorism antworten. Was über die neue Bedeutung von Religion gesagt wurde, gilt auch besonders für den Palästinakonflikt: Er ist gerade dabei, in eine religio-politische Dimension abzugleiten, aus der er kaum mehr herausgeholt werden kann, auf jüdischer wie auf palästinensischer Seite. Die einzig sinnvolle Marschrichtung kann nur sein zu versuchen, die Religion wieder aus dem politischen Raum herauszuholen. Ansätze dazu gibt es bereits (etwa gerade im Iran). Mit seinen provokanten Aussagen an der Universität in Regensburg wollte der Papst vermutlich v. a. die islamischen Intellektuellen herausfordern, endlich Stellung zu beziehen zu Islam, Politik und extremistischer Gewalt – und hatte Erfolg damit. Steinbach sieht die Zukunft des Islam nicht in der Gewalt, sondern in einer gesellschaftlichen Differenzierung bis hin zu Säkularisierung.
 
Univ. Prof. Dr. Jörgen Nielsen vom Zentrum für Europäisches Islamisches Denken an der Universität Kopenhagen fragte nach Stand und Zukunft der interreligiösen Beziehungen und des interreligiösen Dialogs: „Interreligiöse Verhältnisse suchen ihre künftige Gestalt. Monotheismen am Prüfstand – damals und heute“. In vielen Konflikten spielt Religion heute die Rolle eines Identitätsmarkers, es geht dabei nicht um Unterschiede in den religiösen Inhalten. In den letzten Jahrzehnten wurden christlich-islamische Dialogbemühungen intensiviert, vor allem nach Samuel Huntingtons Theorie vom „Kampf der Kulturen“ (1993/1996) und den Anschlägen vom 11. September 2001.
 
Die Initiative zum Dialog ging auch oft von islamischer Seite bzw. von Regierungen und politischen Institutionen aus. Diese Politisierung des interreligiösen Dialogs ist eine recht problematische Entwicklung. Positiv hervorzuheben ist, dass es heute Dialognetzwerke gibt, die bewirken, dass sich bei auftretenden Krisen, die irgendwie das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen betreffen, Vertreter beider Religionen sofort zusammensetzen. Noch vor einigen Jahrzehnten war dies nicht der Fall.
Die Kontaktstelle für Weltreligionen der Österreichischen Bischofskonferenz und das Institut für Religion und Frieden veranstalteten am 21. April 2009 in der Diplomatischen Akademie in Wien ein Symposium zum Thema „Die religiöse Vielfalt im Nahen und Mittleren Osten. Dialogkultur und Konfliktpotential an den Ursprüngen“.
 
Ein Bericht von Mag. Christian Wagnsonner
   
Univ. Prof. Dr. Dietmar Winkler, der Leiter des Fachbereichs Bibelwissenschaft und Kirchengeschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg, gab einen Einblick in die komplexe Situation der christlichen Kirchen im Nahen Osten, zu denen eine Vielzahl orthodoxer, orientalisch-orthodoxer und unierter Kirchen sowie die Kirche des Ostens (Assyrer) gehören. Als sich der Islam im 7. Jahrhundert in der Region ausbreitete, verschwanden die christlichen Kirchen nicht, sie behielten ihre Liturgie, ihre Sprache und Kultur.
 
Auch nach der später erfolgten Arabisierung blieben beträchtliche Teile der Bevölkerung christlich, erst der Erste Weltkrieg mit den darauf folgenden Konflikten markierte einen gravierenden Einschnitt: Immer mehr Christen verließen die Region, eine Tendenz, die sich in den letzten Jahren alarmierend verstärkt hat: Im vergangenen Jahrzehnt sind etwa 4-5 Millionen Christen ausgewandert, aufgrund anhaltender Repression und Diskriminierung, aber etwa auch aufgrund der besseren wirtschaftlichen Perspektiven eines Lebens im Westen.
 
Univ. Prof. Dr. Stephan Procházka vom Institut für Orientalistik der Universität Wien erläuterte, wie es zu den ersten Spaltungen der islamischen Gemeinde kam, aus denen später Sunniten, Schiiten und Charidschiten hervorgingen. Es ging dabei nicht um religiöse Streitfragen, sondern um politische Herrschaftsansprüche, eine innerislamische und innerarabische Angelegenheit. Die Anhänger des vierten Kalifen Ali, eines Schwiegersohns des Propheten Mohammeds, mussten zunächst klein beigeben, sein Sohn Hussein kam mit seinen Kampfgefährten bei der berühmt gewordenen Schlacht bei Kerbala ums Leben. Ab dieser Zeit ging es nicht mehr nur um Politik, die Schia wird zu einer religiös-politischen Strömung, der heute etwa ein Zehntel aller Muslime angehören. Ein gemeinsames religiöses Auftreten ist sehr problematisch – wegen der konfliktbelasteten Vergangenheit und einiger Unterschiede, die vor allem die religiöse Praxis, die Verehrung der ersten Führer (Imame) und die hohe Bedeutung eines eigenen geistlichen Standes bei den Schiiten betreffen.
 
Em. Univ. Prof. Dr. Werner Ende vom Orientalischen Seminar der Universität Freiburg sieht eine erstaunliche Aktualität dieses frühislamischen Konflikts zwischen Schiiten und Sunniten in heutigen Konflikten.
Diese Konflikte, in denen es eigentlich um ganz andere politische oder wirtschaftliche Fragen geht, werden oft mit Rückgriff auf Slogans aus der frühislamischen Konfliktgeschichte ausgetragen: Da spielt dann etwa der Verdacht eine Rolle, dass die Schiiten bei ihren Riten die Prophetengefährten (besonders die ersten drei rechtgeleiteten Kalifen) beleidigen.
 
Dass Schiiten von ihrer Tradition manchmal zu Verschweigen und Verstellung angehalten werden, fördert das Misstrauen zusätzlich; und in der Frömmigkeit der Schiiten spielen die Niederlage bei Kerbala (gegen die späteren Sunniten) mit den Gefühlen von Trauer und Hass nach wie vor eine große Rolle. Extremistische Agitation und Anschläge (etwa auf das Grab Alis) lassen das Misstrauen noch wachsen. Ende sieht aber dennoch auch Grund zur Hoffnung: Eine Mehrheit der Muslime ist der Ansicht, dass die eigentlichen Probleme nur durch gemeinsames Vorgehen gelöst werden können, und als äußeres Zeichen kamen im 20. Jh. wieder Mischehen zwischen Schiiten und Sunniten auf.
 
Em. Univ. Prof. Dr. Udo Steinbach, der langjährige Leiter des Deutschen Orient-Instituts in Hamburg, sprach über „Die heutige religio-politische Komplexität und ihre (inter)nationalen Austragungsräume“. In den letzten Jahrzehnten ist Religion wieder politisch wirksam und Gewalt im Namen der Religion, aus Religion heraus, wieder ein häufiges Phänomen geworden.
 
Es hat sich gezeigt, dass westliche Paradigmen zur Modernisierung in der islamischen Welt (z. B. Sozialismus) nicht gegriffen und die Probleme des Nahen Ostens nicht gelöst haben.
 
Der Versuch, den Islam für die Lösung der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Probleme zu instrumentalisieren, ist ein neues und auch beängstigend modernes Phänomen, das eine genaue Analyse der Rahmenbedingungen notwendig macht. Zunächst konzentriert sich dieser Versuch, der mit Begriffen wie Fundamentalismus oder Islamismus nur unzureichend bezeichnet wird, auf Veränderung innerhalb der islamischen Welt. Zentrales Ereignis sei die islamische Revolution im Iran gewesen. Ein Theologe mobilisierte die Massen und gründete den Staat auf ein von ihm geschaffenes Prinzip. Supranational angelegt, sollte diese Revolution die ganze islamische Welt umfassen, dann vielleicht auch die ganze Welt. Aber die Revolution kam nicht voran. Was dann kam, war lediglich der Terror, zunächst und mit besonderer Brutalität in Algerien. Später richtete sich der Terror auch gegen den Westen, v.a. gegen die USA, die mit einem global war on terrorism antworten. Was über die neue Bedeutung von Religion gesagt wurde, gilt auch besonders für den Palästinakonflikt: Er ist gerade dabei, in eine religio-politische Dimension abzugleiten, aus der er kaum mehr herausgeholt werden kann, auf jüdischer wie auf palästinensischer Seite. Die einzig sinnvolle Marschrichtung kann nur sein zu versuchen, die Religion wieder aus dem politischen Raum herauszuholen. Ansätze dazu gibt es bereits (etwa gerade im Iran). Mit seinen provokanten Aussagen an der Universität in Regensburg wollte der Papst vermutlich v. a. die islamischen Intellektuellen herausfordern, endlich Stellung zu beziehen zu Islam, Politik und extremistischer Gewalt – und hatte Erfolg damit. Steinbach sieht die Zukunft des Islam nicht in der Gewalt, sondern in einer gesellschaftlichen Differenzierung bis hin zu Säkularisierung.
 
Univ. Prof. Dr. Jörgen Nielsen vom Zentrum für Europäisches Islamisches Denken an der Universität Kopenhagen fragte nach Stand und Zukunft der interreligiösen Beziehungen und des interreligiösen Dialogs: „Interreligiöse Verhältnisse suchen ihre künftige Gestalt. Monotheismen am Prüfstand – damals und heute“. In vielen Konflikten spielt Religion heute die Rolle eines Identitätsmarkers, es geht dabei nicht um Unterschiede in den religiösen Inhalten. In den letzten Jahrzehnten wurden christlich-islamische Dialogbemühungen intensiviert, vor allem nach Samuel Huntingtons Theorie vom „Kampf der Kulturen“ (1993/1996) und den Anschlägen vom 11. September 2001.
 
Die Initiative zum Dialog ging auch oft von islamischer Seite bzw. von Regierungen und politischen Institutionen aus. Diese Politisierung des interreligiösen Dialogs ist eine recht problematische Entwicklung. Positiv hervorzuheben ist, dass es heute Dialognetzwerke gibt, die bewirken, dass sich bei auftretenden Krisen, die irgendwie das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen betreffen, Vertreter beider Religionen sofort zusammensetzen. Noch vor einigen Jahrzehnten war dies nicht der Fall.
Das Institut für Religion und Frieden, in Kooperation mit dem Österreichischen Institut für Internationale Politik, veranstaltete am 22. April 2009 in der Landesverteidigungsakademie in Wien einen Studientag zum Thema: „Soft und/oder Hard Power: Die EU auf dem Weg zur Militärmacht?“. Ziel der Tagung war es, sicherheitspolitische und ethische Aspekte der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu erörtern.
 
Ein Bericht von Dr. Gerhard Marchl
   
Dr. Franco Algieri, Forschungsdirektor des Austria Institut für Europa- und Sicherheitspolitik in Maria Enzersdorf bei Wien skizzierte in seinem Eingangsreferat das Spannungsverhältnis zwischen Soft und Hard Power, wobei er zunächst diese beiden vom Amerikaner Joseph Nye geprägten Begriffe erklärte: Während Hard Power auf Machtausübung durch Drohung und Belohnung beruhe, ziele Soft Power zwar auch auf die Beeinflussung anderer ab, jedoch auf Basis von Anziehungskraft der eigenen Kultur, politischen Werte und Außenpolitik.
 
Die EU verfüge sowohl über Hard Power, wenn sie beispielsweise andere Staaten mit Sanktionen belege, als auch über Soft Power, also über Werte, die für andere Staaten und Akteure attraktiv seien. Allerdings, so kritisierte Algieri, handle auch die EU nicht immer im Sinne ihrer eigenen Werte. Letztlich gelte es auch für die EU Smart Power anzustreben, also eine Kombination aus Hard und Soft Power.
 
Dr. Gunther Hauser vom Institut für Strategie und Sicherheitspolitik an der Landesverteidigungsakademie befasste sich in seinem Beitrag mit den Neuerungen, die der Vertrag von Lissabon im Bereich der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik bringt. Sein Hauptaugenmerk richtete er auf die sog. Beistandsverpflichtung in Artikel 42 des künftigen EU-Vertrages, wonach im Falle eines bewaffneten Angriffs auf einen Mitgliedstaat die anderen „ihm alle in ihrer Macht stehende Hilfe“ schuldeten. Dies, so Hauser, schließe aber nicht zwingend militärische Mittel ein. Anders gelagert sei die Solidaritätsklausel, die ebenfalls im Vertragswerk enthalten ist: Bei Terroranschlägen oder Naturkatastrophen würden nötigenfalls auch jene militärischen Mittel mobilisiert, die die Mitgliedstaaten der Union bereitgestellt haben.
 
Univ. Prof. Dr. Heinz Gärtner vom Österreichischen Institut für Internationale Politik ging von einer neuen Partnerschaft zwischen den USA und Europa durch Präsident Obama aus. Dieser habe schon in seiner Rede in Berlin im August 2008 gemeint, dass alle Partner ein Recht auf Mitentscheidung hätten, sich aber auch beteiligen und Opfer bringen müssten. Explizit aber habe Obama bisher nicht mehr europäische Truppen für Afghanistan gefordert. Gärtner geht davon aus, dass die Jahre 2009/2010 nicht zuletzt auch wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise einen enormen Wandel in den internationale Beziehungen bringen werden, selbst wenn die USA die stärkste Macht bleiben dürften. Allerdings würden die USA künftig weniger einseitig vorgehen und somit den Europäern entgegenkommen. Das Schlagwort könnte lauten: „Multilateral wenn möglich, unilateral wenn nötig.“
 
Dr. Jochen Rehrl, tätig im Büro für Sicherheitspolitik im Verteidigungsministerium, gestaltete einen Überblick über das bisherige Engagement Österreichs im Rahmen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Das Land habe von Anfang an einen aktiven Beitrag geleistet und sich an den meisten militärischen Einsätzen der EU beteiligt, wenn auch tendenziell mit zahlenmäßig eher bescheidenen Mitteln. Auch zu den zivilen Missionen (vor allem Polizeimissionen) habe das Land im Regelfall beigetragen. Hier sei allerdings die Zusammenarbeit zwischen zuständigen Ministerien in Wien (Verteidigung, Inneres, Äußeres, Justiz) zu verbessern, um künftig schneller auf Anfragen reagieren zu können. Österreich, so Rehrl abschließend, werde sich auch in Zukunft aktiv an der Weiterentwicklung der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik beteiligen.
 
Monsignore Miroslaw Wachowski widmete sich in Vertretung des verhinderten Msgr. Michael W. Banach (Ständiger Vertreter des Heiligen Stuhls bei der OSZE, der IAEO und der CTBTO) den sicherheitspolitischen Herausforderungen in Europa aus der Sicht der Katholischen Kirche. Er betonte eingangs, dass die Katholische Kirche mit dem Vatikan als Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft die einzige Religionsgemeinschaft weltweit sei, die diplomatische Beziehungen aufnehme und sich im Rahmen der internationalen Gemeinschaft einbringe. Dieser einzigartige Status beruhe auf der geschichtlichen Entwicklung und der hohen moralischen Autorität des Papsttums.
In seinen bilateralen und multilateralen Beziehungen lasse sich der Heilige Stuhl von folgenden Prinzipien leiten: Vorrang der menschlichen Person, ihrer Würde und Rechte; die Förderung und nötigenfalls Verteidigung des Friedens, die sich u.a. anhand des Einsatzes des Papstes für Frieden im Nahen Osten zeige; Unterstützung demokratischer Strukturen; Errichtung einer internationalen Ordnung, die auf Gerechtigkeit und Recht beruht; Gleichheit der Nationen, auch in der Solidarität miteinander. In diesem Zusammenhang betonte Wachwoski, dass Krieg niemals als Mittel der Konfliktaustragung akzeptiert werden könne.
Eine besondere sicherheitspolitische Herausforderung aus der Sicht des Heiligen Stuhls sei die Förderung der Religionsfreiheit. Diese könne nicht nur zum Wohl jedes einzelnen Staates beitragen, sondern auch zum internationalen Frieden.
 
Dr. Heinz-Gerhard Justenhoven, Direktor des Instituts für Theologie und Frieden in Hamburg, befasste sich in seinem Beitrag mit ethischen Gesichtspunkten der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Eingangs erinnerte er daran, dass die europäische Einigung ein Friedensprojekt ist. Es sei dadurch gekennzeichnet, dass die Mitgliedstaaten souveräne Rechte gemeinsamen europäischen Institutionen übertragen würden. Justenhoven verwies zudem darauf, dass die EU nicht zuletzt mit der Grundrechtecharta über eine explizite Wertebasis verfüge. Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Menschenrechte seien auch im EU-Vertrag als gemeinsame Werte festlegt.
Im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik, wo sich die Mitgliedstaaten die Letztentscheidung noch vorbehalten, sei die Union laut Justenhoven ethisch dazu verpflichtet, zum umfassenden Weltfrieden beizutragen. Auf dem Weg zu diesem Ziel müsse sie nicht nur einen kooperativen Multilateralismus fördern, sondern vor allem darauf achten, dass Konflikte im Sinne der Gerechtigkeit bewältigt werden. Damit die EU diesen Weg beschreiten und international mehr Gewicht gewinnen kann, ist für Justenhoven die Überwindung der einzelstaatlichen Interessen auch im Bereich der Sicherheitspolitik nötig.
 
Dr. Gerhard Marchl vom Institut für Religion und Frieden der Katholischen Militärseelsorge nahm eine ethische Bewertung eines Militäreinsatzes der EU vor, nämlich der Operation Artemis. Diese hatte im Jahre 2003 die Aufgabe, schwere Menschenrechtsverletzungen in der Stadt Bunia in der kriegsgeplagten Demokratischen Republik Kongo abzustellen. Marchl ging nun der Frage nach, ob diese EU-Kriseninterventionstruppe ethisch ausreichend legitimiert war. Er kam zum Schluss, dass die Operation nicht nur erfolgreich, sondern ethisch gerechtfertigt gewesen sei und den Werten der EU entsprochen habe. Allerdings sei die EU danach vorerst nicht bereit gewesen, sich dauerhaft politisch und militärisch zu engagieren, um im gesamten Kongo einen umfassenden Frieden herzustellen. Seit 2005 jedoch habe die EU wieder mehr Verantwortung übernommen und sei u.a. wieder mit zivilen Missionen im Land präsent.
 
 

„Astronomie und Gott?“ war das Thema des zweiten Seminars zum Jahresschwerpunkt „Astronomie“ der Österreichischen Militärseelsorge. Veranstaltet wurde das Seminar vom Institut für Religion und Frieden und der Militärpfarre an der Heeresunteroffziersakademie in Enns. Vom 8.-10. September kamen unter der Leitung von Militärkurat Stefan Gugerel über 50 Angehörige des BMLV, Wissenschaftler und Interessierte in der Vega-Peyer-Weyprecht-Kaserne in Wien Breitensee zusammen, um über die religiöse Bedeutung der Sternbeobachtung in der Geschichte, über die Entstehung der Astronomie als moderner Wissenschaft, die Reaktion der Kirche auf diese Entwicklungen sowie über die Frage nach Gott angesichts aktueller astronomischer Theoriemodelle nachzudenken.

Ein Bericht von Christian Wagnsonner   
Freitag, 11. September 2009

Der Archäologe Rainer Feldbacher ging der Frage nach, welche Rolle Himmelskörper in antiken Religionen spielten. In vielen Kulturen weltweit hielt man den Himmel für den Wohnort der Götter, galten Sterne als Zeichen göttlicher Weltherrschaft. In Mesopotamien stand der Zusammenhang zwischen Himmelszeichen und Ereignissen des irdischen Lebens im Vordergrund. Im Königsritus spielte der Gedanke eine wichtige Rolle, dass auf der Erde Ordnung herrschen soll entsprechend der Ordnung der Himmelskörper. Die Ägypter entwickelten einen präzisen Sonnenkalender, mit Hilfe dessen sich die Überschwemmungen des Nils berechnen und der landwirtschaftliche Ertrag optimieren ließ. Von besonderer Bedeutung für die Menschen war der Zusammenhang zwischen den Gestirnen und dem Leben nach dem Tod. Die Griechen übernahmen viele Erkenntnisse von den Ägyptern, die Sternbeobachtung wurde bei ihnen zunehmend zu einer weltlichen und wissenschaftlichen Angelegenheit.

P. Gottfried Glassner OSB von der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Diözese St. Pölten fragte nach der Bedeutung der Sterne im biblischen Kontext. Im älteren zweiten Schöpfungsbericht (Gen 2) spielen die Himmelskörper noch keine Rolle, der Text bleibt auf den engeren Lebensraum der Menschen bezogen. Im jüngeren ersten Schöpfungsbericht (Gen 1) kommt die exilisch-nachexilische Antwort Israels auf die Astralisierungstendenzen in den altorientalischen Religionen deutlich zum Ausdruck: Der einzige Gott hat alles geschaffen, auch die Himmelskörper. Diese werden somit entgöttlicht und auf die Funktionen des Leuchtens und der Strukturierung der Zeit reduziert. Dass hinter dem Stern von Betlehem konkrete astronomische Ereignisse stehen, hielt Glassner für zwar möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich. Entscheidender sei der Bezug auf die Bileamsweissagung im Buch Numeri, in der der Prophet Bileam von einem aufgehenden Stern spricht (Num 24,17). Ursprünglich war wohl David gemeint, später bezog man diese Stelle auf den kommenden Messias.

Der Geschichte der wissenschaftlichen Sternbeobachtung widmete sich Maria Firneis vom Institut für Astronomie der Universität Wien. Sie spannte den Bogen von den alten rätselhaften Steinkreisanlagen, wie sie etwa im Weinviertel gefunden wurden, über Aristarch von Samos, der schon im 3. Jh. v. Chr. die Sonne im Zentrum des Kosmos sah, dessen Überlegungen sich aber nicht durchsetzten bis hin zu den Entdeckungen und Theorien der letzten Jahrzehnte. In einem zweiten Vortrag ging sie insbesondere auf die Biographien von Nikolaus Kopernikus, Johannes Kepler und Galileo Galilei ein, die bei der Revolution der Astronomie vor 400 Jahren eine entscheidende Rolle spielten. Die Ausführungen eröffneten auch einen differenzierten Blick auf das komplexe Verhältnis zwischen neuzeitlicher Astronomie und Kirche, das keinesfalls als bloße Gegnerschaft zu fassen ist. So hatte etwa Kopernikus ein hohes kirchliches Amt, war zeitweise sogar Kanzler des Domkapitels von Ermland im heutigen Polen; und unter den bedeutenden Astronomen gab es nicht wenige Jesuiten. Unter anderem auf Anregung des Wiener Erzbischofs Franz Kardinal König setzte Papst Johannes Paul II. schließlich eine Arbeitsgruppe ein, die den Fall Galilei neu aufrollen sollte und die auch die bekannte Erklärung des Papstes zu Galilei 1992 vorbereitete.

Der Physiker Peter Séquard-Base vom Amt für Rüstung und Wehrtechnik des Österreichischen Bundesheers gab einen kurzen Überblick über aktuelle und im Planungsstadium befindliche Raketenabwehrsysteme. Weltraumgestützte – d.h. (teils) im Weltraum stationierte – Systeme wird es kurz- und mittelfristig nicht geben, weil der Betrieb zu teuer wäre. Séquard-Base erklärte den Zuhörern auch die technischen Hintergründe der geplanten Stationierung von Teilen der US-Raketenabwehr in Osteuropa. Probleme gebe es etwa noch bei der verlässlichen Identifikation der Zielcluster. Lasersysteme werden sich in diesem Bereich wohl vorerst nicht durchsetzen, vor allem wegen der geringen Reichweite und Kapazität.

Am zweiten Tag des Seminars sprach Hermann Hunger, Assyriologe vom Institut für Orientalistik an der Universität Wien, über die Funktion astronomischer Beobachtungen für Politik und Kriegsführung in der assyrischen Kultur. Die Assyrer gingen davon aus, dass ein Wenn-Dann-Zusammenhang zwischen bestimmten Vorzeichen (Gestirnkonstellationen, Missgeburten, Eingeweideschau) und Ereignissen im Leben des Volkes besteht. Astronomische Vorzeichen betrafen dabei immer den König und das ganze Volk, für den einzelnen bemühten sich die Sterne nicht, dafür gab es andere Methoden. Bei der Vorhersage militärischer Ereignisse blieb es eher bei allgemeinen Aussagen (Vorhersage eines Schlachtausgangs, Vorhersage von Koalitionen, Zerstörung der Stadtmauer etc.). Wurde ein Unglück vorausgesagt, konnte es eventuell durch ein Namburi-Ritual abgewendet werden. Falls der Tod des Königs angekündigt wurde, war es üblich, einen machtlosen Ersatzkönig einzusetzen. Der echte König blieb im Palast, durfte aber nicht als König angesprochen werden. Das konnte bis zu 100 Tagen dauern, der maximalen Gültigkeitsdauer eines Omens. Um nicht ständig von widrigen astronomischen Vorzeichen überrascht zu werden und die Vorhersagen berechenbarer zu machen, versuchte man schließlich auch, die Himmelsereignisse selbst vorherzusehen.

Mit Günter Paul Bolze konnten die Seminarteilnehmer einen Ausflug in die österreichische Militärgeschichte des 19. Jh. unternehmen: Vor 150 Jahren gelang der Novara, einem Schiff der österreichischen Kriegsmarine, die Weltumrundung. Bolze zeigte die Bedeutung der Astronomie für die Ortsbestimmung und Navigation der Novara auf und führte in das Einmaleins der Astronavigation und die Handhabung eines Sextanten ein. Über diese bloße Funktionalität für Navigation und Auftragserfüllung hinaus kommen in den Aufzeichnungen der Novara-Expedition aber auch Bewunderung des Sternenhimmels und Staunen angesichts der Schöpfung zum Ausdruck.

Was bedeutet die Rede vom Menschen als verschwindendem Punkt im Kosmos? Der Mathematiker und Theologe Ludwig Neidhart vom Institut für Philosophie der Universität Augsburg schaffte zunächst einmal ein paar hartnäckige Irrtümer beiseite. Erstens war der Kosmos in früheren Weltbildern gar nicht so klein. Die antiken griechischen Naturphilosophen vor Sokrates gingen von einem unendlich ausgedehnten Urelement aus (sei das die Erde, das Wasser, die Luft oder abstrakter „das Unbegrenzte“), nur der geordnete Kosmos, den der Mensch bewohnt, ist begrenzt. Ein indisches Modell bestimmt den Erddurchmesser mit 5 Milliarden Kilometern. Es ist auch nicht allen bekannt, dass seit etwa 500 v. Chr. bekannt war, dass die Erde eine Kugel ist. Aristoteles bringt Beweise, und fast alle bedeutenden Gelehrten des Mittelalters waren von der Kugelform der Erde überzeugt. Schon in der Antike konnte der Erdumfang berechnet werden. Beim kopernikanischen (heliozentrischen) Modell tauschten zunächst nur Erde und Sonne ihre Position. Unser heutiges Weltbild ist ein anderes: Es ist azentrisch, weil auch die Sonne längst nicht mehr im Zentrum steht und es auch keinen anderen Mittelpunkt gibt. Ein erster Vertreter des azentrischen Weltbilds war Giordano Bruno, der 1600 (aus anderen Gründen) hingerichtet wurde. Bei ihm ist das Weltall noch unendlich. Heute wird das Weltall als begrenzt angesehen. Es dehnt sich immer schneller aus und lässt sich auf den sog. „Urknall“ vor 13, 7 Mrd. Lichtjahren zurückführen, mit dem die Ausdehnung begann. Umstritten sind weitergehende Theorien, die etwa behaupten, dass sich das Weltall zyklisch ausdehne und wieder zusammenfalle, oder dass unser Universum nur eines von vielen Paralleluniversen sei. Unsere kosmische Heimat (unsere Erde, unser Sonnensystem, unsere Lage in der Galaxis) ist aus Sicht Neidharts dennoch nicht unbedeutend, sondern besonders und vielleicht sogar einzigartig, weil sie die Entstehung von Leben ermöglicht hat. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn die Umweltbedingungen nur geringfügig anders (gewesen) wären. Und selbst unter den gegebenen Bedingungen ist die Entstehung auch nur der lebenswichtigen Proteine durch Zufall extrem unwahrscheinlich. Aus philosophischer Sicht ist die Größe des Universums für die besondere Stellung des Menschen irrelevant. Denn diese Stellung hat er, weil er Vernunft hat. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn es anderswo im Universum vernünftige Lebewesen gäbe. Denn nach der aristotelischen Definition wären auch diese Lebewesen Menschen, ausgezeichnet durch ihre Vernunft. In den biblischen Schriften findet sich gleichfalls die Vorstellung, dass die Welt unermesslich groß ist. Aber der Mensch ist ausgezeichnet, weil er Mensch ist, nach Gottes Abbild geschaffen.

Im Rahmen einer Exkursion besichtigten die Teilnehmer die Wiener Universitätssternwarte, eine der größten und historisch interessantesten Observatorien Europas und Sitz des Instituts für Astronomie der Universität Wien. Aufgrund der veralteten Technik ist sie allerdings in erster Linie von historischem Interesse, wissenschaftliche beobachtende Forschung kann nur an den großen internationalen Observatorien im Ausland betrieben werden. Ein kleines modernes Observatorium steht in einem Nebengebäude für die praktische Ausbildung der Astronomiestudenten zur Verfügung. Walter Nowotny-Schipper führte durch die Sternwarte und stellte die wichtigsten Forschungsbereiche des Instituts vor.

Franz Kerschbaum vom Institut für Astronomie blickte am dritten und letzten Tag auf zentrale Fragen und Ergebnisse des Seminars zurück und ging insbesondere auf Berührungspunkte zwischen Religion und Astronomie ein: Himmelskörper waren in vielen Religionen Kultgegenstand, sie wurden in der einen oder anderen Form in die Sphäre des Göttlichen erhoben. Astronomische Erkenntnisse dienten zudem als Kulthilfe, sie ermöglichten die Ausrichtung von Gräbern und Heiligtümern nach Osten oder Westen und dienten zur systematischen Strukturierung der Zeit (Kalender, Festtage). 605 n. Chr. verfügte Papst Sabinianus die Anbringung von Sonnenuhren an den Kirchen, auch die vorgeschriebenen Gebetszeiten im Islam förderten die Verbreitung von Sonnenuhren. Auffallende astronomische Ereignisse wurden religiös interpretiert bzw. dienten zur Demonstration der Allmacht Gottes. Was die Astronomie nicht erklären konnte, überließ man religiösen Begründungen. Da die Wissenschaft auch heute bei weitem nicht alles erklären kann, muss Gott immer noch vielfach als Lückenbüßer herhalten (z. B. im Zusammenhang mit dem Konzept eines „intelligent designs“). Aus religiöser Sicht ist dieses Verfahren problematisch, weil viele Lücken im Lauf der Zeit von der Wissenschaft geschlossen werden konnten. Angemessener wäre es, Gott als den zu verstehen, der dem Menschen die Mittel an die Hand gibt, die Welt zu erforschen. Im Lauf der Jahrhunderte hat die Wissenschaft viele religiöse Bilder zerstört, die neuzeitliche Astronomie und die Raumfahrt haben den Blick auf Erde und Mensch verändert. Was bedeutet das für die Stellung des Menschen im Universum? Es gibt zwar gute Gründe für die Vermutung, dass es auch auf vielen anderen Planeten Leben gibt, höhere bzw. intelligente Lebensformen dürften aber extrem selten sein. Das unterstreicht die Besonderheit der Erde und des Menschen, die schon in der Bibel zum Ausdruck kommt.

P. Jakob Deibl OSB vom Institut für Fundamentaltheologie der Universität Wien begann seine Ausführungen mit der Frage nach dem Verhältnis von Gott „und“ Weltall. Dieses Verhältnis ist nicht unproblematisch, beide bezeichnen eine Totalität und können nicht wie Objekte unter anderen behandelt werden. Man hat versucht, das eine mit dem anderen zu identifizieren, als ob Gott bloß ein anderer Name für das Weltall sei, oder als ob er sich bei der Schöpfung so erschöpft habe, dass er ganz in seiner Schöpfung aufgegangen sei. Man kann die Elemente der Frage auch auseinanderreißen: Theologen beschäftigen sich mit der Rede von Gott, Astronomen und Physiker untersuchen das Weltall. Die Frage nach dem Verhältnis von Gott und Weltall kann verdrängt werden, aber sie wird nicht verloren gehen und in anderen Gewändern wieder auftauchen. Zwischen Theologie und Astronomie besteht heute kein Konkurrenzverhältnis, die Kompetenz für die wissenschaftliche Erforschung des Alls und der Himmelkörper liegt bei Astronomie und Astrophysik. Es ist allerdings die Frage zu stellen, ob beim Übergang von einer religiös-mythologischen Betrachtung des Himmels zu einer wissenschaftlich-mathematischen nicht Entscheidendes verloren gegangen ist. Im Zuge dieses Übergangs könnte das Weltall – metaphorisch gesprochen – abgekühlt sein. Das messende Umgehen mit den Unermesslichkeiten, Unendlichkeiten des Weltalls kann auch als die ins Weltall hinausprojizierte Herrschaft der Technik, des Herstellens verstanden werden, eine Projektion der menschlichen Verhältnisse auf der Erde. Die Frage nach Gott und Weltall kann und soll nicht zu einem übergeordnetem System führen, sondern sie könnte die wiederkehrende, uns heute aufgegebene offene Frage nach der Totalität, nach Gott und Unendlichkeit sein.

Das Institut für Religion und Frieden der Österreichischen Militärseelsorge beehrt sich, Sie zur Teilnahme an der Enquete 2009 zum Thema "Nie allein gelassen. Verwundung - Trauma - Tod im Einsatz" höflichst einzuladen.

Hohe Verantwortungsträger und führende Militärseelsorger referieren über die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Streitkräfte und der Militärseelsorge und stehen für Anfragen zur Verfügung. Wir freuen uns auf die interessanten Beiträge und auf spannende Diskussionen.

Antwortkarte zur Teilnahme

ORT: Landesverteidigungsakademie, Sala Terrena, Stiftgasse 2a, 1070 WIEN

PROGRAMM

Donnerstag, 29. Oktober 2009

9.00 Uhr Eröffnung

9.10 Uhr Panel I: Verwundung

Moderation: Werner Freistetter, Leiter des Instituts für Religion und  Frieden

- Verwundung im Einsatz: Zahlen, Fakten, Verletzungsarten
  Klaus Wolff, Majorarzt, Chirurgische Abteilung des Heeresspitals in Wien

- Problemfeld Triage: Wer wird zuerst behandelt?
  Gerry Foitik, Leiter des Bereiches "Einsatz, Innovation, Beteiligungen" im Generalsekretariat des Öst. Roten Kreuzes

- Wie geht man mit Verwundung und Verstümmelung um?
  Siegmund Linder, Psychologe am Rehabilitationszentrum Weißer Hof, Allgemeine Unfallversicherungsanstalt

 

10.30 Uhr Kaffeepause

 

10.45 Uhr Panel II: Trauma

Moderation: Christian Langer, Leiter der Heerespsychologischen  Dienstes im Österreichischen Bundesheer

- Das Kompetenzzentrum für Stressmanagement und Psychotraumatologie - Konzept und Stand der Realisierung
  Oswald Klingler, Leiter des Kompetenzzentrums, Österreichisches Bundesheer

- Hilfe für traumatisierte Einsatzkräfte
  Elisabeth Schneider, Psychologin und Referentin des psychologischen Dienstes der Sicherheitsakademie des BM für Inneres

- Wie hilfreich kann Religion bei der Traumabewältigung sein?
  Erich Hitz, Militärpfarrer in St. Pölten, Niederösterreich und ausgebildeter Notfallseelsorger

 

12.05 Uhr Kaffeepause

 

12.20 Uhr Panel III: Tod

Moderation: Elisabeth Schneider, Psychologin und Referentin des psychologischen Dienstes der Sicherheitsakademie, BM für Inneres

- Der Umgang der Gesellschaft mit Tod und Sterben
  Erich Lehner, Psychoanalytiker; Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Fakultät-IFF, Abt. Palliative Care und OrganisationsEthik

- Psychologische Aspekte des Überbringens von Todesnachrichten
  Michael Mikas, Leiter der Fliegerpsychologischen Ambulanz des Heeresspitals in Wien

- Tod und Auferstehung: Pastorale und theologische Aspekte beim Tod eines Soldaten im Einsatz
  Benoist Galvan, Militärseelsorger in der französischen Armee
  Guiseppe Chizzali, Seelsorger in den italienischen Streitkräften

 

13.40 Uhr Mittagessen

15.00 Uhr Feierliche Vesper in der Stiftskirche
 
Zum Thema

Verwundungen, Traumata und Todesfälle sind in vielen europäischen Streitkräften wieder zu (nahezu) alltäglichen Ereignissen geworden. Vor allem angesichts der zum Teil risikobehafteten Auslandseinsätze im Rahmen der NATO und der EU steigt die Zahl der verwundeten und getöteten Soldaten. Allein in Afghanistan sind bisher weit mehr als 300 europäische Soldaten ums Leben gekommen. Es ist davon auszugehen, dass in Zukunft nicht nur die friedensschaffenden Missionen, sondern auch die Opferzahlen weiter zunehmen. Diese Entwicklung stellt auch die Militärseelsorge vor neue Herausforderungen: Wie kann sie den Opfern, ihren Kameraden, den Überlebenden sowie den Angehörigen auf angemessene Weise beistehen?

Im Rahmen der Enquete des Instituts für Religion und Frieden soll der Themenkreis Verwundung – Trauma – Tod aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden. Mediziner, Angehörige europäischer Streitkräfte, Psychologen, Vertreter ziviler Einsatzorganisationen, Theologen sowie Militär- und Notfallseelsorger werden über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse berichten.

 

Weitere Information:
Institut für Religion und Frieden
Dr. Gerhard Marchl
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Fasangartengasse 101/VII, 1130 Wien
Tel. +43 1 512 32 57-20, Fax +43 1 512 32 57-29
www.irf.ac.at

Ein Bericht von MMag. Stefan Gugerel, MilKurat 
  
Unter diesem etwas verspielt klingenden Titel führte das Institut für Religion und Frieden in Zusammenarbeit mit der Militärpfarre an der Heeresunteroffiziersakademie von 17. bis 19. November 2009 im Seminarzentrum Iselsberg ein militärethisches Seminar mit Schwerpunkt auf der Begründung militärischer Interventionen im Ausland durch.
 
Den etwa 40 teilnehmenden Soldaten und Zivilbediensteten wurde in einer Reihe von Vorträgen der Hintergrund der bis heute umfangreichsten Sciencefiction-Produktion vorgestellt. Referentinnen und Referenten der Universitäten Graz und Innsbruck sowie des Österreichischen Weltraumforums kamen ebenso zu Wort wie ausgewiesene Experten aus der katholischen und evangelischen Militärseelsorge.
 
Die Entstehung des Genres Science fiction, technische Möglichkeiten der Raumfahrt und Überlegungen zu außerirdischem Leben, Verweise auf Antikerezeption in moderner Kultur, auf Kalten Krieg und Nationalsozialismus, sowie eine kritische Analyse eines konkreten Interventionsbeispiels (Tschad) brachten jede Menge bedenkenswerte Information. Die Feier des Abendlobs beim Untergehen der Sonne verdeutlichte die theologische Bedeutung des Laufs der Gestirne, vor allem auch als Zeitmesser für Gebets- und Festzeiten.
 
Besonderer Dank gilt Bischofsvikar Militärsuperior Werner Freistetter für die Unterstützung des Seminars, Mag. Christian Wagnsonner vom Institut für Religion und Frieden für die Auswahl der Referierenden und deren Betreuung sowie der Militärpfarre Kärnten in der Person von Militärdekan Emanuel Longin und Pfarradjunkt Oberstabswachtmeister Markus Stromberger. Der Service und die zuvorkommende Gastfreundschaft im Seminarzentrum Iselsberg waren gewohnt perfekt.

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